Mastodon für Dummies

Da das Interesse an der Twitter-Alternative Mastodon dank Elon Musks Twitter-Übernahme steigt, ein paar Tipps um dem Umstieg zu vereinfachen. Am Anfang kann manches verwirren und hat mich verwirrt. Aber ein Umstieg sollte ja möglichst niedrigschwellig sein. Darum ein kleines „Mastodon für Dummies“.

Mastodon ist dezentral organisiert. Darum gibt es nicht nur euch und Mastodon, sondern dazwischen geschaltet noch einmal „Instanzen“. Wenn ihr euch einen Account macht, dann ist er immer bei einer Instanz und nicht bei Mastodon selbst. Das könnt ihr euch ähnlich vorstellen, wie bei E-Mails. Bei E-Mails macht ihr euch auch ein Account bei xyz.org, könnt dann aber mit Adressen bei anderen Anbieter*innen kommunizieren. Darum sind die Namen bei Mastodon auch immer ‚doppelt‘: @user@instanz.

Mastodon ist außerdem Teil des „Fediverse“ – einem Netzwerk von sozialen Medien die alle miteinander verbunden sind (Pixelfed ist in etwa wie Instagram, PeerTube wie YouTube, Friendica wie Facebook). Ihr könnt mit eurem Mastodon-Account nicht nur Accounts von anderen Instanzen folgen, sondern sogar aus anderen Netzwerken. Das ist so, als könntet ihr mit eurem Twitter-Account auch einem Freund auf Instagram folgen.

Wie finde ich (m)eine Instanz?

Ich finde diese Übersicht ganz praktisch, die deutsche und stärker deutschsprachige Instanzen auflistet: https://contentnation.net/de/favstarmafia/artikel2. Ihr seid in eurer Kommunikation natürlich nicht auf die Nutzer*innen eurer Instanz beschränkt! Stellt euch Mastodon einfach wie ein großes Gebäude vor und die Instanzen wie Eingangstüren. Ihr kommt überall hin, aber je nachdem was ihr im Gebäude wollt, kann es sinnvoller sein, den einen oder den anderen Eingang zu nehmen.

Damit Mastodon nicht nur auf dem Papier dezentral ist, ist die Nutzung kleinerer Instanzen gern gesehen. Bei E-Mail bringt die dezentrale Technik ja zum Beispiel auch wenig, wenn alle ihren Account eh bei Google haben.

Es freuen sich darum viele Mastodon-User*innen, wenn nicht alle, die sich jetzt einen neuen Mastodon-Account machen, bei mastodon.social enden. Selbst nutze ich social.tchncs.de (eher größer) und fediscience.org (eher klein, inhaltlich auf Wissenschaft fokussiert). Sucht euch am Besten etwas was für euch inhaltlich passt. scholar.social ist z.B. eine Instanz für internationalen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen. Für den Bildungsbereich gibt es etwa bildung.social. choas.social ist rund um den CCC entstanden (hier bedarf es aber einer Einladung von bestehenden Mitgliedern). digitalcourage.social ist eine weitere gute Option (hier wird 1 € pro Monat für den Unterhalt der Server veranschlagt, andere Instanzen leben von Spenden – anders als bei Twitter gibt es bei Mastodon keine Werbung …). Auch gibt es eher lokal ausgerichtete Instanzen wie etwa ruhr.social. Das sind alles nur Beispiele um euch eine Idee zu geben. Fragt euch einfachwas ist euch grob wichtig. Eine Hilfe, eine passende Instanz zu finden, gibt es, neben der oben verlinkten Liste, über diese Seite, die euch Vorschläge anhand eurer Vorgaben macht: https://instances.social/.

Ich müsst euch aber bei der Auswahl einer Instanz aber auch nicht zu viel Stress machen. Wenn ihr irgendwann merkt, dass ihr eine andere Instanz besser findet, dann könnt ihr euren Account samt Followern umziehen. (ACHTUNG: Der Instanzwechsel funktioniert mit der Version 3.5 von Mastdon aktuell nicht, es wird aber daran gearbeitet. Also etwas Geduld und nicht verzweifeln. Mastodon ist übrigens Open Source. Ihr könnt alle Probleme aber auch Entscheidungen in der Softwareentwicklung hier nachverfolgen, wenn ihr Lust darauf habt: https://github.com/mastodon/mastodon/issues.)

Gute Moderation

Mir ist bei der Instanz auch wichtig, dass sie gut moderiert wird. Informationen dazu, was für die Betreiber*innen ok ist und was nicht, findet ihr üblicherweise unter /about/more. Da gibt es dann auch persönliche Ansprechparter*innen, wenn es ein Problem gibt. (Z.B. https://social.tchncs.de/about/more)

Ich habe da in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht, als ich über Verschwörungsideologisches gestolpert bin: schnelle Reaktion, direkter Austausch mit einem (nicht anonymen) Administrator mit transparenter Entscheidung. Das ist eben auch ein Vorteil an der dezentralen Struktur. Moderator*innen sind näher dran und können so auch besser den Kontext von Äußerungen einschätzen und so bessere Entscheidungen treffen.

Wenn ihr genauer einsteigen wollte, wie Moderation im Fediverse funktioniert, und welche Strategien es gibt, um eine gute Diskussionskultur zu etablieren, kann ich dieses Video empfehlen: https://youtu.be/yZoASOyfvGQ.

Los geht’s!

Wenn ihr eure Instanz habt und starten wollt, dann ist es hilfreich ein informatives Profil zu machen und euch kurz unter dem #neuhier vorzustellen. Da schauen Leute regelmäßig drauf und freuen sich, interessante neue Menschen kennenzulernen. Meine Erfahrung ist, dass die Anzahl an Followern und Likes zwar geringer ist, aber dafür häufiger tatsächliche Diskussionen und Interaktionen entstehen. Wichtig ist, klar zu haben, dass Mastodon nicht einfach eine Twitter-Kopie ist. Es bringt Menschen anders zusammen. Und das ist durchaus beabsichtigt. Am auffälligsten sicher dadurch, dass es keine „Drükos“ (Drüber-Kommentare) gibt. Aber auch die Verwendung von Inhaltswarnungen, bei denen der Tweet-Inhalt zunächst nicht angezeigt wird, ist ein augenfälliger unterschied.

Tweeten und Tröten?

Damit zum letzten Punkt: Kann ich Twitter und Mastodon parallel nutzen? Das geht tatsächlich mit dem Mastdon Twitter Crossposter: https://crossposter.masto.donte.com.br/. Dabei solltet ihr jedoch bedenken, dass es für Menschen auf Mastodon nervig ist, ständig Inhalte, die auf Twitter verlinken, reinzubekommen. Denn die Menschen sind ja bei Mastodon, weil sie nicht bei Twitter sein wollen. Auch ist es doof, wenn Menschen nur ihre Inhalte von Twitter in Mastodon abladen, ohne dort zu interagieren. Beides erlebe ich manchmal und es nervt mich selbst, obwohl ich (bislang noch) auf Twitter bin. Darum poste ich keine Retweets und Quotes auf Mastodon, sondern nur eigene Inhalte. Das kann man entsprechend einstellen. Manches poste ich auch nur auf Mastodon, manches, was sich auf Twitterdiskussionen bezieht, nur da.

Insgesamt solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass Mastodon nicht als ein Twitter ohne Elon Musk entwickelt wurde, sondern als ein Microblogging Dienst der einiges anders und aus der sicht der Entwickler*innen besser macht. Also nicht frustriert sein, wenn nicht alles genau so läuft wie bei Twitter. Manches mag, von Twitter kommend etwas kompliziert wirken (das Instanz-, bzw. Server-, bzw. Community-Gedöns). Aber in Mastodon verbreitet sich wesentlich besser Positionen, die von Nutzer*innen vertreten werden (über boosts und Antworten), als Dinge, die man doof findet oder gar hasst, und die etwa bei Twitter über zynische oder abwertende Drükos verbreitet werden. Das sind Design-Entscheidungen, die eben auch einen Unterschied machen sollen. Also lehnt euch zurück, und lasst euch drauf ein, dass nicht alles genau so wird, wie früher.

Unterwegs tröten

Am PC könnt ihr euch einfach bei eurer Instanz anmelden. Wenn ihr auf Twitter das TweetDeck genutzt habt, könnt ihr unter Preferences / Appearance / Enable advanced web interface austesten. Als App nutze ich übrigens Tusky, womit ich gut klarkomme: https://tusky.app/. Es gibt aber ganz neu auch eine „offizielle“ Mastodon App: https://joinmastodon.org/apps. Das erlaubt dann auch trotz Crossposter einfacher Interaktion. Für iOS soll Toot ganz gut sein, da habe ich aber keine eigene Erfahrung (https://apps.apple.com/de/app/toot/id1229021451).

Im Fediverse selbst, ist übrigens der Account @feditips@mstdn.social eine gute Anlaufstelle, aktuell auch mit einem Thread mit Tipps für Neueinsteiger*innen (https://mstdn.social/@feditips/108193490622939340).

Zuletzt noch zur Vernetzung drei Accounts mit denen ich verbunden bin:
Folgt gerne mir, https://social.tchncs.de/@perspektivbrocken oder wenn ihr euch für Demokratiepädagogik interessiert dem Projekt „Demokratisch. Gemeinsam. Wachsen.“
https://social.tchncs.de/@degewa oder für das internationale und interdisziplinäre Diskursanalyse-Netzwer „DiscourseNet“
https://fediscience.org/@DiscourseNet.

In diesem Sinne: Be excellent to each other. And: Tröt on.

Zum Weiterlesen:

Eine sehr ausführliche Einführung in Mastodon und seine Funktionen gibt es hier: https://contentnation.net/de/favstarmafia/artikel1

Hier ist ein guter ausführliche Einstieg ins „Fediverse“: https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung/fediverse

Nochmal ausführlich, aber auch mit Bildern: https://www.kuketz-blog.de/tschuess-twitter-hallo-fediverse-hallo-mastodon/

2 Antworten auf „Mastodon für Dummies“

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