Spazieren durch die halbierte Moderne: Über das vergessene Potential moderner Stadtplanung für die postautomobile Stadt

Verkehrspolitisch gilt die modernistische Stadtplanung heute wohl weitgehend als Graus. Verbunden wird sie insbesondere mit dem Ziel einer „autogerechten Stadt“ – unter deren Räder so einiges gekommen ist. Aber, trifft es die richtigen, wenn man den Modernismus für unsere mit Autos zugestellten und mit Riesenstraßen durchschnittenen Städte, kurz: für die Unterordnung aller Mobilitätsformen unter die Automobilität, verantwortlich macht? Mir scheint es, dass der Zustand der Auto-Stadt, den man heute zu überwinden wünscht, einem „halbiertem Modernismus“ geschuldet ist, der sich von der Entwicklung der Automobilität hat treiben lassen, und gerade nicht von den Verkehrsvisionen modernistischer Architekt*innen und Planer*innen, die versucht haben, dieser gegenüber eine Gestaltungs­macht zu gewinnen. Gerade aus dem Überschuss architektonischer Imagination des Modernismus ließe sich heute noch manche Irritation und Anregung für die Gestaltung des Raums in der post-automobilen Stadt gewinnen.

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Dialektik des Modernismus

Ein nicht unerheblicher Teil aktueller Diskussionen krankt an einem oberflächlich dialektischem Denken. Sie hangeln sich von abstrakter Negation zu abstrakter Negation. Aus den Fehlern des Modernismus lernte man mit einem derben Antimodernismus, dessen esoterische Auswüchse wiederum einen trotzigen Modernismus befeuerten. Demgegenüber wäre ein negativ-dialektisches Denken stark zu machen, dass trotz des Einwandes der Antithese die These nicht zum Feind erklärt, sondern an ihrem wahren Moment festhält. – Die Kunst ist es weder der Willkürherrschaft des Antimodernismus, noch der überheblichen Selbstgefälligkeit des Modernismus beizugeben.