Zur „Grenznutzlosigkeitstheorie“ von Forschungsanträgen

Im Folgenden möchte ich ein einfache These plausibilisieren: Je kompetitiver das Antragsformat, desto mehr Arbeitszeit wird für wissenschaftlich Nutzloses aufgebracht. Damit drohen Antrags- und Begutachtungsverfahren aber sich zunehmend von der wissenschaftliche Qualität zu entfernen, die eigentlich im Verfahren ausschlaggebend sein soll.

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Kritik als Distanz. Zum epistemologischen Potenzial kritischer Wissenschaft

In ihrer Abschiedsvorlesung plädiert Monika Wohlrab-Sahr (2026) dafür, Distanz als wissenschaftliche Grundhaltung zu verstehen. Distanz als Passion ist es, was für sie, in Anspielung auf Niklas Luhmann, Wissenschaft ausmacht. Dabei konstatiert sie, dass diese Distanznahme nicht eine einheitliche Form haben muss. Vielmehr kann diese in unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugängen durchaus unterschiedlich aussehen – etwa in der standardisierten Sozialforschung in einer Mathematisierung des Gegenstandes liegen, in qualitativer Forschung in einer physischen Entfernung von Feld und in „befremdenden“ Metaphern, wie sie etwa bei Goffman zu finden sind (Hirschauer & Amann 1997, Goffman 1959, Laube 2022).

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Zwischen An- und Enteignung. Anmerkungen zum Plagiat im Expropriationsverhältnis der Wissenschaft

Wenn in der Wissenschaft von Plagiaten die Rede ist, dann wird dies meist als ein Verstoß gegen „geistiges Eigentum“ verstanden. Damit übernimmt man aber eine Rahmung einer neoliberalen Eigentumsordnung (kritisch hierzu etwa Hardt 2005). Ich meine, dass ein Plagiat so weder epistemisch noch normativ angemessen gefasst wird. Und diese beiden Dimensionen hängen eng zusammen. Als Verstoß gegen geistiges Eigentum wären Plagiate doppelt zu fassen: einerseits verletzen sie die Rechte des Verlages, der sich ja oft die Rechte an entsprechenden Texten sichert. Erst sekundär werden hier die Rechte der Autor*in verletzt, und dies vor allem, sofern das Urheberrecht diesen ein unveräußerliches Recht an ihrem Produkt zugesteht.

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Zur Kritik der Expertokratiekritik

In der Kritik an Expertokratie wird eine Seite interessanterweise oft vergessen: die der Wissenschaft selbst. Erst, wenn man aber einen genaueren Blick auf deren Strukturen und Praktiken richtet, wird es möglich, der populistischen Vorstellung einer Fremdbestimmung durch das „Wissen“, das implizit als Ausdruck einer dem Volk entgegenstehenden heteronomen Elite gedeutet wird, nicht nur quasi wissensfreie Sphären von Werturteilen oder Antagonismen entgegenhalten – die vermeintlich reine Politik –, sondern eine Demokratisierung der Wissensproduktion. Diese kann sich auf unterschiedliche Ebenen erstrecken: die Demokratisierung wissenschaftlicher Institutionen, die Zurückdrängung kommerzieller Interessen, die Ausweitung der aktiven und passiven Teilhabe an Forschung …

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Mythe et sens

„De son côté, la pensée mythique n’est pas seulement la prisonnière d’événements et d’expériences qu’elle dispose et redispose inlassablement pour leur découvrir un sens ; elle est aussi libératrice, par la protestation qu’elle élève contre le non-sens, avec lequel la science s’était d’abord résignée à transiger.“

Claude Lévi-Strauss
La pensée sauvage