Übersetzt Fakir Baykurt!

Fakir Baykurt gilt als wichtiger Autor der Literatur türkischer Arbeitsmigrant*innen in Deutschland. In Duisburg hat man einen Preis nach ihm benannt, der seit 2014 für besondere Leistungen im interkulturellen Miteinander vergeben wird. Auch einen Platz ihm zu Ehren gibt es in der Stadt, in der Baykurt die letzten 20 Jahre seines Lebens verbracht hat. Aber, obwohl das Leben im Ruhrgebiet ein zentrales Thema in seinem späten Werk darstellte, ist nur wenig davon ins Deutsche übersetzt worden. Bis heute ist nur eins der Bücher seiner Duisburg-Trilogie auch den Deutschen zugänglich, die kein Türkisch sprechen. Und wie andere seiner früheren Romane ist es lediglich antiquarisch zu erwerben. Auch bei Nachfrage bei der Buchhändler*in konnten keine aktuellen Auflagen aufgetrieben werden. Es ist geradezu absurd (und leider zugleich wohl bezeichnend), dass Baykurt einerseits deutliche Anerkennung für seine Auseinandersetzung mit der Realität von Arbeitsmigrant*innen in Deutschland erfährt, andererseits nicht genug Interesse aufgebracht wird, um sein Werk auch der deutschsprachigen Leser*innenschaft zugängig zu machen.

„Übersetzt Fakir Baykurt!“ weiterlesen

Die größere Angst

„Höchst fragwürdig der allgemein verbreitete Glaube, die Angst vor dem physischen Tode sei die tödlichste Angst des Menschen. Ungleich tödlicher ist seine angst vor dem gesellschaftlichen Tode, also davor, diskreditiert, geschnitten oder gar verlacht zu werden. Der Entschluß, allein oder gar im Widerspruch zur gesamten Umwelt weiterzuleben, erfordert viel mehr Selbstständigkeit und Kühnheit als die Bereitschaft, mit Anderen zusammen zu sterben. Selbst wenn es zum gewissen Tode führt, scheint das Mitmachen als eine Art von Lebensversicherung mißverstanden zu werden. Unter Huandert, die blind mit ins Feuer gehen, gibt es höchstens drei, die unerschrocken genug sind, aus einer sinnlosen oder unmoralischen Massenaktion zu desertieren.“

Günter Anders, Philosophische Stenogramme

Nach dem Tode

Es heißt, die Menschen, die uns wichtig sind,
Begleiten uns auch nach dem Tod weiter.
Das ist falsch. – Ihre Abwesenheit begleitet uns;
Als Verlusst des Teils unserer Selbst, der in ihnen aufgehoben war.