New publication on the freedom of research: Quelle liberté défendre?

A new article on elitist and democratic interpretations of the freedom of research has been published this week.

I just want to point to one argument put forward in the paper. This argument seems even more important today than two years ago, when I initially conceived it: The freedom of research does not presuppose a political abstinence from researchers. On the contrary, their contributions to public debates are one of the key sources for strengthening the freedom of research.

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Permutationen der Geschichte – Anmerkungen zu Patrik Ouředníks „Europeana“

Anlässlich der Leipziger Buchmesse, bei der 2019 Tschechien Gastland war, hat der Czernin Verlag in diesem Jahr das Buch Europeana wieder aufgelegt. In dieser, zuerst im Jahr 2001 auf tschechisch erschienen, „kurzen Geschichte Europas im zwanzigsten Jahrhundert“, wie es im vom Verlag gewählten Untertitel heißt, legte der in Tschechien geborene und seit den 1980er Jahren in Frankreich lebende Schriftsteller und Übersetzer Patrik Ouředník weniger eine Conclusio über das gerade numerisch abgeschlossene Jahrhundert vor, als vielmehr dessen Rohform offenzulegen und die Unabgeschlossenheit seiner zum Teil widerstreitenden Deutungen sichtbar zu machen. Vermutlich ist es nicht zuletzt diese Offenheit des Buches, die seine anhaltende Brisanz und Produktivität gerade auch in den letzten Jahren erklärt. So ist 2018 eine Theaterfassung des Textes als Gastspiel eines Prager Theaters in Hannover aufgeführt und in diesem Jahr hat Heiner Goebbels in seiner multimedialen Inszenierung Everything that happens and could happen im Rahmen der Ruhrtriennale maßgeblich auf Ouředníks Text zurück gegriffen.

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Die Sehnsucht nach dem Selbst – Anmerkungen zu Ramón Sender Barayóns „Ein Tod in Zamora“

Im Gefolge der Postmoderne ist es heute üblich, auf die Fragmentiertheit und Brüchigkeit des Selbst hinzuweisen. Dies ist zunächst einmal deskriptiv durchaus angemessen. Die Kritik des geschlossenen und einheitlichen Subjekts hat durchaus eine Tradition – zu denken ist etwa an Nietzsche, Freud, aber auch Erikson. Heute scheint bei der Thematisierung der inneren Heterogenität und Unabgeschlossenheit des Subjekts neben einer deskriptiven Dimension aber auch eine normative Dimension eine Rolle zu spielen. Ein Subjekt kann gar nicht anders als konstitutiv plural und offen zu sein, diese Eigenschaften sind darüber hinaus aber auch wünschenswert. Sie stellen eine Befreiung von fixierten sozialen Zuschreibungen und deren Verinnerlichung dar.

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Die (Un-)Möglichkeit der Geschichte – Anmerkungen zu Heiner Goebbels’ „Everything that happens and would happen“

„Und 1989 entwickelte ein amerikanischer Politikwissenschaftler eine Theorie über das Ende der Weltgeschichte. … Doch viele Leute wussten nichts von dieser Theorie und schrieben weiterhin Geschichte, als sei nichts passiert.“ Mit diesem Zitat aus Patrik Ouředníks Roman „Europeana“ schließt Heiner Goebbels seine im Rahmen der Ruhrtriennale am 23. August 2019 uraufgeführte Inszenierung „Everything that happend and would happen“. Dieses Zitat kann aber zugleich auch als Ausgangspunkt der installativen Performance gelten, die sich – unter Rückgriff auf den Roman Ouředníks, Bildern des Euronews Programms „No Comment“ und Bühnenelementen der Aufführung von John Cages „Europeras 1 & 2“ bei der Ruhrtriennale 2012 – mit der (Un-)Möglichkeit einer Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt. Mit dem von Ouředník ausgewiesenenen „Nicht-Ende“ der Geschichte entzieht sich diese auch einer einheitlichen Geschichtsschreibung, die sich aus der rückblickenden Beschreibung von einem Ende aus und auf dieses hin darstellen ließe. Kurz: weil Geschichte weitergeht, gestritten und gekämpft wird, musste Perspektivierung des Gewesenen plural bleiben. Weil Geschichte nicht endet, bleibt sie offen und kommt ihre Beschreibung zu keinem Abschluss.

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