Eliteunis…

Beim eigentlichen Thema der Artikel scheint es zugegeben relativ unbedeutend zu sein, aber mich erstaut doch, wie schnell der das Wort „Eliteuniversität“ geschafft hat in Deutschland zu einer Selbstverständlichkeit zu werden. Nicht nur, dass der Anspruch Elite zu sein offensichtlich innerhalb kurzer Zeit jede Anrüchigkeit verloren hat. Auch die Bereitschaft, sich die Begriffe von einer Staatlichen Definitionsmaschine diktieren zu lassen, sagt etwas über die Lage des Journalismus. Dabei wird deutlich, dass auch die Einsparung bei wirklichen Journalistinnen zugungsten der Übernahme von vorgesetzten Textbausteinen von Nachrichtenagenturen eine bedeutende Rolle spielt.

Ein paar Zitate:

„Auf der Sitzung des höchsten akademischen Gremiums der Eliteuniversität, über die zuerst ‚Spiegel Online‘ berichtete, stimmten am 11. Juli im sogenannten ‚nicht öffentlichen Teil‘ zwölf Mitglieder gegen den Antrag auf den Ehrentitel für Maaßen.“ – Welt Online

„Dem Gremium der Eliteuniversität gehören 13 Professorinnen und Professoren an, aber auch Vertreter des Mittelbaus und der Studentenschaft. In der Abstimmung spiegele sich auch die ‚linke Geschichte der FU‘ wider, hieß es. Die heutige Elitehochschule war ein Zentrum der 68er-Studentenbewegung.“ – Sueddeutsche Zeitung

„Dem Gremium der Eliteuniversität gehören dem Bericht zufolge auch 13 Professorinnen und Professoren an.“ – Focus Online

„Dem Gremium der Eliteuniversität gehören dem Bericht zufolge auch 13 Professorinnen und Professoren an.“ – RP Online

„Dem Gremium der Eliteuniversität gehören 13 Professorinnen und Professoren und etwa ebenso viele wissenschaftliche Mitarbeiter an.“ – Spiegel Online

Abstrakter Trotz

Bestimmte Negation kann heute nicht mehr als positiver Begriff gedacht werden, mit dem aus einem Widerspruch entweder zwingend eine richtige Tendenz sich ergäbe oder aber quasi-zwingend sich ein richtiger Weg gegenüber vielen falschen – wenn auch faktisch damit noch nicht ausgeschlossenen – auftäte. Bestimmte Negation hat heute vor allem Wert in der Kritik der abstrakten Negation, auf die die Praxis der Kritik heute unabhängig von theoretischer Einsicht bis auf seltene Ausnahmen zurückfällt. Die meiste Kritik bleibt fixiert auf die Trotzphase.

Dem Morgendrot entgegen – ein halbes Jahrhundert lang

Kim Jong-un, der letztes Jahr die Rolle des „Obersten Führers“ Nordkoreas von seinem Vater Kim Jong-il übernommen hat, beschert seinem Land laut La Stampa nun eine neue Hymne. Der euphorische Marsch „Auf zum letzten Sieg“ ist auf YouTube mit einem Propaganda-Video unterlegt eingestellt. Mehr als sechzig Jahre nachdem Nordkorea sich eine sozialistische Verfassung gegeben hat und drei Jahre nachdem die Idee des Kommunismus in der Verfassung gänzlich aufgegeben wurde um offiziell der Ideologie des absoluten Vorrangs des Militärs Platz zu machen wundert es, welches letzte Gefecht da noch anstehen soll. Aber neben des Exibitionismus militärischer Potenz scheint die Symbolik dieser ‚befreiten Gesellschaft‘ insgesammt auswegslos anachronistisch. Es drängt sich die Frage auf, woher die Farbfilme der sich kämpfend gebenden Arbeiterklasse (0:54 min) kommen sollen, hat diese doch seit mindestens 1953 den Streik nicht mehr nötig. Und auch, dass es nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch dem Morgenrot entgegen geht (2:31 min), wo man doch schon lange den Horizont überschritten hat, mag erstaunen.

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Nazimethoden…

Das Argument: „Das sind ja dieselben Methoden wie…“, mit dem das Handeln gegen rechte Positionen diffamiert wird, sollte endlich ausgedient haben. Die durchaus richtige Erkenntnis, dass der Zweck nicht unabhängig vom Mittel, der Inhalt nicht von der Form ist, hat es weit hinter sich gelassen. Das Mittel ist eben auch nicht unabhängig vom Zweck. „Nazimethoden…“ weiterlesen

Tabu(ver)brecher

Um nicht über Günter Grass zu sprechen.
Um nicht nicht über die Qualität von Gedichten zu sprechen.
Um nicht über Israel zu sprechen.
Um nicht über den Iran zu sprechen.
Um nicht über das Aufrechnen deutscher Vergangenheit zu sprechen.

Die Tabupistole ist wohl momentan eins der Lieblingsinstrumente um Zustimmung zu erzwingen. „Tabu(ver)brecher“ weiterlesen

Affirmativität der Transparenz

„Der Transparenzzwang stabilisiert das vorhandene System sehr effektiv. Die Transparenz ist an sich positiv. Ihr wohnt nicht jene Negativität inne, die das vorhandene politisch-ökonomische System radikal in Frage stellen könnte. Sie ist blind gegenüber dem Außen des Systems. Sie bestätigt und optimiert nur das bereits Existierdende. Daher geht die Transparenzgesellschaft mit der Post-Politik einher. Ganz transparent ist nur der entpolitisierte Raum. Die Politik ohne Referenz verkommt zum Referendum.“

Byung-Chul Han
Transparenzgesellschaft