Wer hat Angst vorm Blackout?

Es ist schon faszinierend, wie präsent das Thema von drohenden Blackouts im Zusammenhang mit einer konsequenten Umstellung auf erneuerbare Energien ist. Das Gefühl einer steigenden Unsicherheit der Stromversorgung durch die Abkehr von Atom- und Fossilenergie wird offensichtlich fleißig genährt. Es fragt sich aber: Ab wann kommt er denn, der große Zusammenbruch des Stromnetzes? Gibt es da einen „Kipppunkt“?

Angeregt durch einen Podcast von Marina Weisband mit dem Klimaforscher Niklas Höhne habe ich mich gefragt, wie sich den die Stabilität des Stromnetzes in den letzten Jahren entwickelt hat, wo es ja bereits einen massiven Zuwachs an erneuerbaren Energien gab. Müsste es nicht jetzt schon zu immer mehr Ausfällen kommen, wenn das verbreitete Angstszenario zutrifft?

Der Anteil an Erneuerbaren Energien lässt sich recht einfach in Prozenten ausweisen. Ich habe hier eine Auflistung der Anteile pro Jahr gefunden. Die Berechnung einer Versorgungsunsicherheit ist etwas weniger Intuitiv. Die Bundesnetzagentur gibt die jährliche Versorgungsunterbrechung in Minuten für Nieder- und Mittelspannung mit dem Index SAIDIEnWG-Gesamt an. (Eine gute Erläuterung zu diesen Kennzahlen findet ihr hier.)

Ich habe beide Aspekte mal in einem Diagramm zusammengefasst. Nun, wie Sie sehen, sehen Sie nichts:

Ein Diagramm dass im Zeitraum von 2025 bis 2024 einen Zuwachs von Erneuerbaren Energien von 35 auf knapp 60 Prozent zeigt, während in derselben Zeit die Versorgungsunterbrechung mit leichten Schwankungen und leicht abnehmend knapp über bei ca. 11 Minuten liegt.

Während der Anteil an Erneuerbaren munter steigt, sind die Versorgungsunterbrechungen tendenziell sogar leicht gesunken.

Natürlich ist das nur eine ganz rudimentäre Betrachtung und es könnte zum Beispiel sein, dass die Versorgungssicherheit ohne den Ausbau der Erneuerbaren Energien heute noch besser wäre. Aber das müsste auch erst mal gezeigt werden. Wie dem auch sei, es gibt zumindest in den bisherigen Erfahrungen wenig Anlass, allgemein anzunehmen, dass ein Zuwachs an Erneuerbaren Energien ein hohes Risiko für die Stromversorgung mit sich brächte.

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