Ideologiekritik und Hegemonie – zu einem ambivalenten Verhältnis

Interessanter als die Kritik der Dominanz der hegemonialen kulturellen Ordnung ist für eine Ideologiekritik vermutlich: zu sondieren, inwieweit sich an ihren Rändern, in Sub- und Gegenkulturen vermittelt eine Affirmation jener hegemonialen Ordnung ausmachen lassen, oder aber Momente einer wirklichen utopischen Alterität aufscheinen. Darüber hinaus finden sich aber zwei weitere nicht-triviale Optionen, Optionen also die also eine bloße Bestätigung der vorgewussten Ablehnung des herrschenden Wissens überschreiten, die zugleich aber das Terrain einer Ideologiekritik erheblich verkomplizieren: Das Aufweisen widerspenstiger Momente innerhalb der hegemonialen Ordnung einerseits. Und andererseits: die Möglichkeit einer dystopischen Alterität in Gegenkulturen zu erspüren. Letzteres hat seine Dringlichkeit insbesondere, seit der Faschismus des 20. Jh. endgültig den Glauben an garantierten Fortschritt der Menschheit zerstört hat.

Klar ist, dass eine solche Sondierung niemals auf absolut gesichertem Boden stattfinden kann. Vermutlich resultieren einige der erbittertsten Kämpfen innerhalb der Linken genau an der dogmatischen Verkennung, der Grundlagen solcher Ideologiekritik (deren Teil eine Kritik der Ideologiekritik ja zumeist ungewollt in gewisser Weise auch ist). Auch kleine Verschiebungen im Diskurs können hier nur als Ausweis des abgrundtief Bösen und Verdorbenen der innerlinken Anderen wahrgenommen werden. Eben nicht als eine Verkennung des Gegenstandes, sondern nur als unbewusste Manifestation einer grundlegenden und zuweilen verleugneten Charakterdeformation. Dagegen wäre eine weniger durch eine vorgängige Feindbestimmung geprägte Diskussion gerade im Sinne des Anliegens hilfreich, zu sondieren: also eine Haltung gegenüber dem zu gewinnen, was nicht schon von seiner Oberfläche abstrahlt, wie es zu bewerten ist.

Heute wird diese Auseinandersetzung um die Sache leider aber häufig auf Haltungen reduziert. So steht auf der einen Seite eine vulgäranarchistisches Feiern jeder Form von Insurrektion. Der noch so stumpfe Akt der Negation einer bestehenden Ordnung wird automatisch als utopischer Funke verherrlicht. Auf der anderen Seite steht die Haltung des Verdachts, die alle Abweichung vom Bestehenden auf Spuren des noch Schlimmeren, der dystopischen Katastrophe absucht. So richtig die Skepsis gegenüber der pauschalen Verherrlichung der Negation des Bestehen ist, so falsch wird auch sie als verallgemeinerte Haltung; also solche kann sie eben nur auf eine Apologie des Bestehenden hinauslaufen.

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