Antikommunismus und Post-Faschismus

Der Antikommunismus war ein entscheidender hemmender Faktor für die vollständige Überwindung des Faschismus nach 1945, für die Einlösung des Versprechens einer „Stunde Null“. Kontinuitäten und Übergänge gab es etwa durch den Bund Deutscher Jugend, der von den amerikanischen Geheimdiensten geduldet, ja sogar gefördert wurde. Wehrmachtssoldaten und SS-Mitglieder wurden hier als nützlich für den Kampf gegen den Kommunismus angesehen und im Partisanenkampf ausgebildet. Der (inoffizielle) Geheimdienst dieses Bunds Deutscher Jugend, der „Technische Dienst“, führte Feindeslisten für den „Tag X“, die, nach der Auflösung des Technischen Dienstes, vollständig vom Niedersächsischen Verfassungsschutz übernommen wurden (Spiegel vom 26.11.1990).

Eine „Elitenkontinuität“ gab es nach den Untersuchungen von Christoph Safferling und Friedrich Kießerling auch bei der Bundesanwaltschaft: bis 1974 hatte hier jeder zweite überprüfte Mitarbeiter eine NS-Vergangenheit. Dies hatte weitreichende Folgen für den Fokus der Strafverfolgung, etwa bei der Kommunistenverfolgung (Hempel 2019). Auch hier – wie beim Bund Deutscher Jugend – diente der Antikommunismus als eine Art Schirm für rechte und nazistische Gruppen und Personen.

Aber nicht nur die innerdeutsche Entnazifizierung wurde vom Antikommunistischen Konsens ausgebremst. Wie Helen Graham herausstellt, war der Antikommunismus ein zentraler Grund für die ausbleibende Befreiung Spaniens vom Faschismus. „Die Befreiung Europas durch die Alliierten kam“, Graham zufolge, „[…] an den Pyrenäen zum Stehen“, weil die Westmächte durch den beginnenden alten Krieg und die damit einhergehende Teilung Europas in Anspruch genommen waren. Die Verbrechen des Francistischen Regimes wurden schlicht ausgeblendet, da Francos „Kreuzzug gegen den Kommunismus“ gelegen kam (Graham 2008: 175).

Literaturangaben

Graham, Helen (2008): Der Spanische Bürgerkrieg. Stuttgart: Reclam

Hempel, Klaus 2019: NS-Vergangenheit. Eine belastete Behörde, tagesschau vom 2.7.2019, https://www.tagesschau.de/inland/gba-ns-vergangenheit-101.html (19.8.2019)

Spiegel 1990: Angreifen und Zerstören. Als Vorläufer von „Gladio“ finanzierten die USA eine Truppe deutscher Partisanen mit rechter Gesinnung, Der Spiegel vom 26.11.1990, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502527.html (15.8.2019).

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